Wednesday, 10. January 2007
“Warum irgendwo Halt machen?”
Im Radio kam vor zwei oder drei Tagen ein Bericht darüber, dass irgendwann letztens im Ludwig Museum in Köln ein Film Premiere hatte, bei dem man einen wütenten deutschen Literaten schimpfen hört und einen Schauspieler sieht der die Mundbewegungen dazu macht;
Na gut - klingt seltsam; was hingegen aber gut klang waren die Sätze von Wolf Dieter Brinkmann;
während des Berichts stellte sich heraus, dass der WDR dem Herrn Brinkmann 1973 ein Tonbandgerät in die Hand drückte und ihn dazu aufforderte für die Sendereihe “Autorenalltag” etwas aus seinem Leben aufzuzeichenen; Herr Brinkmann nahm dann von Oktober bis Dezember 1973 elf Stunden Tonmaterial auf;
Etwas später - Ende der 80er Jahre machte der Regisseur Harald Bergmann die Witwe Brinkmanns darauf aufmerksam, dass die vorhandenen Tonbänder auch ein Verfallsdatum haben und noch ein paar Jahre später, 1996 wurde dann alles gerettet und für die digitale Welt aufbereitet;
Alltagsbeobachtungen, Familienszenen, Wutausbrüche. Auf diesem Originalmaterial basiert der vom WDR co-produzierte Dokumentarfilm “Brinkmanns Zorn“. Ab morgen im Kino. Ansehen.
Rolf Dieter Brinkmann
Strumpfhose im Januar
Trauer auf dem Wäschedraht im Januar
Ein Stück Draht, krumm
ausgespannt, zwischen zwei
kahlen Bäumen, die
bald wieder Blätter
treiben, früh am Morgen
hängt daran eine
frisch gewaschene
schwarze Strumpfhose
aus den verwickelten
langen Beinen tropft
das Wasser in dem hellen,
frühen Licht auf die Steine.
(Wolf Dieter Brinkmann, aus dem Band: Leute, ich lebe, Gedichte und Songs, Hrsg. Gertrud Wilker, Verlag Huber 1983)
Reich-Ranicki über R.D. Brinkmann:
” Kaum daß wir begonnen hatten, brüllte mich Brinkmann an - er sollte überhaupt nicht mit mir reden, sondern hier ein Maschinengewehr haben und mich über den Haufen schießen.” ( Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.05.2005, Nr. 21 / Seite 36)
Deutscher Hörbuchpreis 2006 in der Kategorie »Das besondere Hörbuch« für Herrn Brinkmann: Wörter Sex Schnitt. Originaltonaufnahmen 1973;
Artikel mit tollem Titel:
»Ist die Gegenwart ein Gangsterfilm?«
Über Rolf Dieter Brinkmann und seine »Tätigkeit des Schreibens als Widerstand gegen das Herumtoben der Welt« von Herbert Debes
Filed by nicole at 11:27 pm under ach, amusement, found footage, literature, thank you
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